„Wir haben fundamentale Probleme im Gesundheitssystem, die man nicht wegblödeln kann sondern wo es um die ernsthafte Auseinandersetzung geht, eine Neuorientierung unseres Gesundheitssystems.“
Stadtrat Hacker am 24.11.2022
Mit diesem Zitat habe ich bereits meine Rede im Wiener Gemeinderat im November 2022 begonnen und die dramatische Verschlechterung der Situation in den Spitälern des Wiener Gesundheitsverbundes aufgezeigt. Die sogenannte Fortschritts-Koalition ist in vielen Bereichen mit Schadensbegrenzung beschäftigt, doch die drängenden Probleme im Gesundheitssystem bleiben ungelöst.
Versorgungsengpässe und Gefährdungsanzeigen
Die Situation in den Wiener Spitälern ist prekär: Versorgungsengpässe im OP-Bereich, überfüllte Ambulanzen, das Sperren von Betten und Abteilungen. Die Zahl der Gefährdungsanzeigen in den Spitälern des Wiener Gesundheitsverbundes hat sich seit 2016 von 33 pro Jahr auf 70 im Jahr 2022 erhöht. Ein alarmierender Trend, der zeigt, dass dringender Handlungsbedarf besteht.
Besorgniserregende Entwicklungen
In den letzten Wochen haben sich die besorgniserregenden Entwicklungen geradezu überschlagen:
- Schließung der Notaufnahme in der Klinik Ottakring
- Neurochirurgische Abteilung der Klinik Donaustadt muss temporär schließen
- Dauerthema Kinderpsychiatrie
- In Wiener Spitälern fehlen mehr als 1800 Arbeitskräfte
Die Reaktion der Verantwortlichen
Stadtrat Hacker hat in einem Interview mit der Kronen Zeitung vom 07.10.2022 verlautbart, dass es völlig normal sei, wenn Abteilungen und Betten gesperrt werden. Gefährdungsanzeigen seien laut Hacker ein normales Managementinstrument. Angesichts dieser Aussagen und der anhaltenden Reform- und Maßnahmenverweigerung müssen endlich die nötigen Antworten auf die drängenden Fragen gefunden werden.
Besorgniserregende Kündigungszahlen
Die Zahlen der Kündigungen bei medizinischem Personal sind alarmierend – sie übersteigen die der Pensionierungen. Qualifizierte Kolleginnen und Kollegen gehen dem Spitalsbetrieb verloren, sogar Primarärzte kündigen, weil sie keine Möglichkeit der strukturellen Veränderung zur Verbesserung der Patientenversorgung erkennen können. Dieser Trend wird zu einer weiteren Zuspitzung der Personalnot.
Lösungsansätze und die Realität
Es wäre ratsam, sich mit den Menschen vor Ort auszutauschen, um ihre Probleme zu hören. Dabei geht es nicht nur um adäquate Bezahlung, sondern auch um das Arbeitsumfeld: Teamgeist, Wertschätzung, funktionierende EDV-Systeme, ausreichende administrative Dienste und Planungssicherheit bei Nachtdiensten.
Die Idee, Pooldienste – sogenannte Springer – einzusetzen, ist jedoch fragwürdig. Sie kennen die Patienten und die Stationen nicht und können die hohe Fachkompetenz der Stammbelegschaft nicht ersetzen.
Ein Beispiel von Missmanagement sind die groß angekündigten OP-Roboter: 6 Stück zu 12 Millionen Euro wurden gekauft, doch es fehlt an entsprechendem Fachpersonal für deren Betrieb.
Fazit: Die Stadtregierung muss dringend handeln
Die Wiener Gesundheitspolitik befindet sich in einer beunruhigenden Situation, geprägt von Missmanagement, Versorgungsengpässen und einer alarmierenden Zahl von Gefährdungsanzeigen. Es ist höchste Zeit, dass die Verantwortlichen endlich auf die drängenden Probleme reagieren und einschneidende Maßnahmen ergreifen, um die Gesundheitsversorgung in Wien zu sichern und weiterzuentwickeln. Dazu gehört auch der offene Dialog mit den Menschen vor Ort und die Wertschätzung ihrer Arbeit. Nur so kann das Vertrauen in das Wiener Gesundheitssystem wiederhergestellt und eine qualitativ hochwertige Versorgung der Patientinnen und Patienten gewährleistet werden.