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Wien braucht mehr Community Nurses!

VON DR. MICHAEL GORLITZER

In den nächsten Jahren werden wir vor einer bedeutenden Herausforderung stehen: Wir werden immer älter. Es verschiebt sich nicht nur die Alterspyramide durch die geburtenstarken Jahrgänge in den 50er und 60er Jahren. Auch die Lebenserwartung steigt.

Auf der anderen Seite sind immer weniger Menschen bereit, einen anstrengenden Beruf im Pflegebereich anzustreben. Sie haben dabei eine physisch und psychisch herausfordernde Tätigkeit auszuführen, die auch, was die Arbeitszeit betrifft, nicht immer sehr familienfreundlich ist. Trotz vermehrter Werbemaßnahmen besteht in Wien seit mehreren Jahren ein Pflegenotstand.

Wir müssen die Wiener Bevölkerung so lange wie möglich alltagsfit halten!

Ziel muss es sein, die Wiener Bevölkerung so lange wie möglich alltagsfit zu halten. Selten wacht man in der früh auf und ist plötzlich pflegebedürftig. Dies ist meist ein monatelanger Prozess, den man so früh als möglich erkennen muss – und damit auch behandeln, ja sogar manchmal verhindern kann.

Wien braucht deswegen ein Update auf dem Bereich der Versorgung der immer älter werdenden Bevölkerung! Es ist daher notwendig, innovative Konzepte zu initialisieren.

Das Community Nurses Projekt der EU ist eine sinnvolle Ergänzung!

Community Nurses sind speziell ausgebildete Diplomfachkräfte, die die Wienerinnen und Wiener in der Bewältigung des Alltags in ihrem Zuhause und der Umgebung unterstützen können.

Österreich erhält für das EU-Projekt „Community Nurses“ insgesamt 54,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. In der Pilotphase werden bisher 192 Vollzeitäquivalenzen beinahe vollständig finanziert. Seitens der Stadt Wien, vertreten durch den FSW, wurde die Finanzierung von 13 Community Nurses beantragt. Laut Stadtrat Hacker stehen die Verträge vor der Unterfertigung. In anderen Bundesländern sind sie bereits voll im Einsatz. StR Hacker hat kürzlich zugesagt, dass wir im nächsten Gesundheitsausschuss darüber diskutieren werden.

In Wien leben jedoch knapp 1,9 Millionen Menschen, was 21,5 Prozent der Gesamtbevölkerung in Österreich entspricht. Demzufolge sollten die federführenden Institutionen der Stadt Wien zumindest so viele Vollzeitäquivalenzen beantragen, wie an der Gesamtbevölkerung bemessen. Bei den aktuell bewilligten Diplomkrankenpflegerinnen und -pflegern wären das 41 anstatt 13 Stellen.

EU-geförderte Projekte sollten in Wien voll ausgeschöpft werden!

Es ist schade, dass man EU-geförderte Projekte in Wien nicht ausreichend ausschöpft!  Ich fordere die Stadtregierung daher auf, das Engagement bei EU Projekten deutlich zu steigern und laufend zu evaluieren!

International haben sich Community Nurses für die Entlastung des intramuralen Bereiches bewährt. Die Etablierung von Community Nursing ist ein innovativer Schritt, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken, deren Wohlbefinden zu verbessern sowie den Verbleib älterer Menschen im eigenen Zuhause und in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen. Auch für die Diplomkrankenpflege hat einen Vorteil: die Tätigkeit ist interessant, selbstständig, direkt am Menschen und zeitlich flexibel.

Als Leitprinzip in der Zukunft der Pflege gilt: „daheim vor stationär“. Dafür braucht Wien eine starke mobile Pflege, eine Offensive bei der Ausbildung des Pflegepersonals und die Unterstützung der pflegenden Angehörigen.

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